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Sachsen-Anhalt



Zielthemen und prioritäre Handlungsfelder

Verabschiedung von 6 Gesundheitszielen für Sachsen-Anhalt am 26. März 1998 auf der 1. Landesgesundheitskonferenz. Neuausrichtung der Gesundheitsziele für Sachsen-Anhalt 2003, Verständigung auf 5 Gesundheitsziele:
  1. Erreichen eines altersgerechten Impfstatus bei über 90 % der Bevölkerung
  2. Senkung des Anteils an Rauchern in der Bevölkerung und der alkoholbedingten Gesundheitsschäden auf Bundesdurchschnitt und der alkoholbedingten Sterbehäufigkeit auf Bundesdurchschnitt
  3. Verbesserung der Zahngesundheit bei der Bevölkerung auf Bundesdurchschnitt
  4. Förderung eines gesunden Ernährungsverhaltens und gesunder Ernährungsangebote für die Bevölkerung
  5. Entwicklung eines gesunden Bewegungsverhaltens und Verbesserung von Bewegungsangeboten für die Bevölkerung
Die Förderung der psychischen Gesundheit wird als übergreifende Zieldimension seit 2012 in allen Gesundheitszielen des Landes Sachsen-Anhalt berücksichtigt.


Rechtlicher Status der Zielprozesse

Die Gesundheitsziele des Landes Sachsen-Anhalt sind im Koalitionsvertrag verankert. Der auf Partizipation und Eigeninitiative setzende Zieleprozess wird von den Akteurinnen und Akteuren gemeinsam getragen. Gegenüber dem Parlament besteht eine Rechenschaftspflicht.



Finanzierung und Trägerschaft

Träger der Gesundheitsziele ist das Land Sachsen-Anhalt. Das strategische Vorgehen wird vom Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes festgelegt, das Projektmanagement liegt in der Verantwortung der Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt e.V. Die Umsetzung der sachsen-anhaltischen Gesundheitsziele wird durch zielbezogene Arbeitskreise begleitet. Die Finanzierung des Gesundheitszieleprozesses in Sachsen-Anhalt erfolgt in geteilter Verantwortung. Es gibt kein durch das Land zur Verfügung gestelltes Budget zur Prozess- und Maßnahmenfinanzierung. Für die Geschäftsführung des Zieleprozesses setzt die LVG in Abstimmung mit dem Ministerium für Arbeit und Soziales ein Drittel ihres Landesförderbetrages ein. Kosten für Räumlichkeiten und Sachmittel werden für Landesveranstaltungen vom Ministerium für Arbeit und Soziales getragen. Teilweise werden Veranstaltungen anteilig durch Teilnehmerbeiträge gegenfinanziert. Für die Mitwirkung in den Arbeitskreisen stellen die engagierten Institutionen insbesondere personelle aber auch materielle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung. Vorhaben und Projekte werden von einzelnen Institutionen oder von Kooperationszusammenschlüssen getragen. Die Modellprojekte im Gesundheitszieleprozess werden in der Regel durch die Träger selbst finanziert. Dabei werden Fördermöglichkeiten auf Bundes-, Landes- und regionaler bzw. kommunaler Ebene genutzt.


Historie

1997 legte Sachsen-Anhalt als erstes neues Bundesland Gesundheitsziele vor und betrat damit Neuland. Basis der Zielfindung waren die Daten der Gesundheitsberichterstattung des Landes. Auf der 1. Landesgesundheitskonferenz am 26. März 1998 verständigten sich die Akteure des Gesundheitswesens über die dringlichsten Aufgaben zur Verbesserung der gesundheitlichen Lage der Bevölkerung und verabschiedeten sechs Gesundheitsziele für Sachsen-Anhalt:.
  • Senkung der Säuglingssterblichkeit auf Bundesdurchschnitt
  • Erreichen eines altersgerechten Impfstatus bei über 90% der Bevölkerung
  • Senkung der vorzeitigen Sterblichkeit an Herz-Kreis-Lauf-Erkrankungen auf Bundesdurchschnitt
  • Senkung der vorzeitigen Sterblichkeit durch Krebs auf Bundesdurchschnitt
  • Senkung des Anteils der Raucher in allen Altersgruppen, Verringerung alkoholbedingter Unfälle im Straßenverkehr
  • Verbesserung der Zahngesundheit bei Kindern und Jugendlichen
Zur Umsetzung der Ziele berief das Ministerium für Arbeit und Soziales thematische Gesundheitskonferenzen ein, in deren Folge Arbeitskreise aufgebaut wurden.
Zur Verbesserung der Information und Kommunikation zwischen den Zielbereichen, sowie zur Nutzung von Synergien durch Schnittstellenbildung wurde Ende 2001 eine Koordinierungsstelle durch das Ministerium für Arbeit und Soziales als dreijähriges Projekt an der Hochschule Magdeburg-Stendal eingerichtet. Die 2. Landesgesundheitskonferenz am 6. März 2002 zog eine erste Zwischenbilanz zur Umsetzung der Gesundheitsziele. Sie stellte fest, dass ein Ziel – Senkung der Säuglingssterblichkeit auf Bundesdurchschnitt - erreicht wurde, drei Ziele zum Teil erreicht wurden bzw. eine positive Entwicklung genommen hatten und zwei Ziele – Senkung der Krebssterblichkeit und der Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen - nicht erreicht wurden und vermutlich - zumindest in überschaubaren Zeiträumen - auch nicht erreicht werden können. In Folge dieser Bilanz wurde mit den Arbeitskreisakteurinnen und -akteuren eine inhaltliche Modifizierung der Gesundheitsziele diskutiert und eine Eingrenzung sowie eine stärkere Ausrichtung auf vorsorgende, gesundheitsfördernde Aspekte und damit 2003 die Neujustierung der Ziele beschlossen.
  • Erreichen eines altersgerechten Impfstatus bei über 90 % der Bevölkerung
  • Senkung des Anteils an Rauchern in der Bevölkerung und der alkoholbedingten Gesundheitsschäden auf Bundesdurchschnitt und der alkoholbedingten Sterbehäufigkeit auf Bundesdurchschnitt
  • Verbesserung der Zahngesundheit bei der Bevölkerung auf Bundesdurchschnitt
  • Förderung eines gesunden Ernährungsverhaltens und gesunder Ernährungsangebote für die Bevölkerung
  • Entwicklung eines gesunden Bewegungsverhaltens und Verbesserung von Bewegungsangeboten für die Bevölkerung
Die Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt e.V. (LVG) wurde beauftragt, ein Konzept zur Umsetzung dieser Neujustierung auszuarbeiten. In enger Abstimmung mit dem Ministerium für Arbeit und Soziales wurde die Zielpräzisierung mit weiteren Kriterien vertieft. Außerdem wurden Schwerpunktzielgruppen definiert, die sich an der Zukunftsfähigkeit des Landes orientieren: Kinder und Jugendliche, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie deren Arbeitgeber und Seniorinnen und Senioren.
Die Gesundheitsziele, die sich im Wesentlichen auf Lebensstilfaktoren, die gesundheitsfördernd aber auch gesundheitsgefährdend sein können, beziehen, sollten vorrangig in den Lebenswelten (Settings) umgesetzt werden. Von aufsuchenden Lösungen wurde eine höhere Akzeptanz und Erreichbarkeit erwartet.
Diese Entwicklung untersetzte das Ministerium für Arbeit und Soziales mit einem neu definierten Projektmanagement. Unter seiner strategischen Führung wurde die Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt e.V. mit dem taktischen Projektmanagement des Gesundheitszieleprozesses betraut. Die Koordinierungsstelle setzte ihr operatives Management in enger Abstimmung mit der LVG bis Ende 2004 fort, dann übernahm die LVG auch diese Aufgabe.
Im Oktober 2004 wurden erstmalig Modellprojekte der Gesundheitsziele berufen. 19 Institutionen bewarben sich als Träger mit 17 Vorhaben. 2005 wurden auch für die neuen Zielbereiche Ernährung und Bewegung Arbeitskreise gegründet.
Die 3. Landesgesundheitskonferenz im Mai 2005 richtete sich neben den klassischen Akteurinnen und Akteuren des Gesundheitswesens erstmalig auch an Vertreter der Lebenswelten (Settings) und anderer Politikbereiche. Der 5. Gesundheitsbericht des Landes Sachsen-Anhalt – eine repräsentative Bevölkerungsbefragung – wurde in diesem Rahmen mit Bezug auf die Gesundheitsziele vorgestellt und ausgewertet. 10 Modellprojekte wurden berufen. Am 25.05.2005 und am 26.11.2006 fanden weitere Berufungsveranstaltungen statt.
Auf der 4. Landesgesundheitskonferenz am 15. September 2008 in Magdeburg wurden die Teilnehmenden in die neue internetgestützte Gesundheitsberichterstattung des Landes Sachsen-Anhalt eingeführt. In zwei Fokusberichten: „Gesundheitsziele und Gesundheitsförderung in Sachsen-Anhalt“ und „Alkoholbezogene Krankheitslast und Sterblichkeit in Sachsen-Anhalt“ sowie in fünf zielbereichsbezogenen Kurzberichten wurden die Zieleentwicklung beleuchtet und konkrete Ergebnisse dargestellt. 12 neue Modellprojekte wurden berufen. Bisher gibt es 60 Modellprojekte im Gesundheitszieleprozess des Landes Sachsen-Anhalt.
Unter dem Titel „Gesund aufwachsen – Kindergesundheit in Sachsen-Anhalt“ fand die  5. Landesgesundheitskonferenz am 02. Februar 2011 in Magdeburg statt. Als eine Schwerpunktzielgruppe des Gesundheitszieleprozesses standen dieses Mal die Kinder bis ca. 12 Jahre im Mittelpunkt der Gesundheitsdebatte. Präsentiert wurden die Ergebnisse der Schulanfängerstudie und des ersten Kindergesundheitsberichtes des Landes. Weiterhin wurden erfolgreiche Praxisprojekte zur Kindergesundheit vorgestellt. Die rund 300 Gäste aus Politik, Gesundheitswirtschaft, Erziehung und Bildung nutzen in fünf Workshops die Chance, über verschiedene Aspekte der Kindergesundheit zu diskutieren.
Die Zunahme der Fallzahlen bei psychischen Erkrankungen wird auch in Sachsen-Anhalt erkennbar. Zwar liegen die Fallzahlen und die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen in Sachsen-Anhalt noch insgesamt unter dem Bundesdurchschnitt, allerdings wird ein deutlicher Trend im Land erkennbar, der eine Zunahme auf den Bundesdurchschnitt in wenigen Jahren erwarten lässt. Die Förderung der psychischen Gesundheit in Sachsen-Anhalt wird daher seit 2012 als übergreifendes Thema im Gesundheitszieleprozess berücksichtigt.

Struktur 

Die Umsetzung der Gesundheitsziele in Sachsen-Anhalt ruht auf breiten Schultern. Mehr als 500 Institutionen beteiligen sich inzwischen an dem Prozess. Neben den klassischen Beteiligten wie Krankenkassen, Kammern und Vereinigungen, Einrichtungen der Wohlfahrt und des öffentlichen Gesundheitsdienstes wirken zunehmend Institutionen wie Kindertagesstätten, Schulen, Betriebe, Krankenhäuser, Sport- und andere Vereine aber auch Berufsverbände, Städte, Landkreise und Ministerien mit. Folgende Beteiligungsebenen und Arbeitsstrukturen entwickelten sich bzw. wurden implementiert:
  • Ministerium für Arbeit und Soziales
    (Initiator und Vordenker, Strategische Führung, bedingt Geldgeber, Publizist , politisch Vertretung nach innen und außen)
  • Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt e.V.
    (Projektmanagement, Geschäftsführung im Auftrag des Ministeriums, Koordination und Moderation der Arbeitskreise, Betreuung der Modellprojekte, Öffentlichkeitsarbeit)
  • Institutionen, Organisationen, Vereine und Verbände des Gesundheitswesens
    (Mitwirkende in Arbeitskreisen, teilweise Bereitstellung von Ressourcen, teilweise Publizisten, teilweise eigene Projekte)
  • Wirtschaft
    (Mitwirkende in Arbeitskreisen, teilweise Bereitstellung von Ressourcen)
  • Wissenschaft
    (Mitwirkende in Arbeitskreisen)
  • Landesgesundheitskonferenz
    (Beschluss fassendes Gremium, Bilanz ziehendes Gremium, entscheidet über die Erklärung zur Mitwirkung) über Zielvorgaben und -umsetzung)
  • Arbeitskreise
    (freiwillige Zusammenschlüsse unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure, verantwortlich für Zielentwicklung / -umsetzung im Rahmen der vorgegebenen Möglichkeiten , Politikberatung, Rechenschaftspflicht gegenüber dem Ministerium Unterarbeitskreise, feste oder zeitlich befristete Gremien, die sich mit Teilaufgaben zur Zielerreichung befassen, Rechenschaftspflicht gegenüber den Arbeitskreisen Aktionszusammenschlüsse, im Rahmen konkreter Maßnahmen verbünden sich Vertreterinnen und Vertreter aus den Arbeitskreisen teilweise auch mit anderen Kooperationspartnerinnen und -partnern,zeitlich befristete Struktur)
  • Modellprojekte
    (innovative Vorhaben einzelner oder mehrerer Institutionen/ Organsiationen, die mindestens eins der 5 Gesundheitsziele verfolgen, werden berufen, sind zeitlich befristet, verpflichten sich zur Information und Dokumentation)

Zielgruppen

Bevölkerung Sachsen-Anhalts insbesondere
  • Kinder und Jugendliche
  • Arbeitnehmer/-innen und Arbeitgeber
  • Seniorinnen und Senioren

Grundprinzipien des Zielprozesse

Die Grundprinzipien des Zieleprozesses in Sachsen-Anhalt sind Freiwilligkeit, Partizipation, Empowerment und Nachhaltigkeit. Darüber hinaus fühlen sich die Akteurinnen und Akteure einer offenen, gleichberechtigten und wertschätzenden interdisziplinären und intersektoralen Kooperation verpflichtet.


Umsetzung der Zielmaßnahmen 

Die fünf landesweiten Arbeitskreise untersetzten „ihr“ Gesundheitsziel mit Teilzielen. Als landesweite Gremien analysieren sie fortlaufend, je nach Möglichkeit, Situation und Handlungsbedarf ihren Zielbereich und erörtern Möglichkeiten der Zielerreichung. Auf der Basis selbst entwickelter Konzepte initiieren sie Maßnahmen und engagieren sich für ihr Ziel. Sie unterstützen mit ihren Möglichkeiten die Modellprojekte und verstehen sich als „Anwälte“ der Zielstellung. In diesem Sinne bringen sie sich aktiv in den gesundheitspolitischen Dialog ein. Darüber hinaus besteht ihre Aufgabe im Schnittstellenmanagement und in der Politikberatung. Außerdem kümmern sie sich über eine zielbezogene Öffentlichkeitsarbeit um die Information und Aufklärung der Bevölkerung. Für die Modellprojekte wurden Qualitätskriterien definiert und Rahmenbedingungen festgelegt. Sie arbeiten in Verantwortung ihrer Träger autonom. Sie verfolgen projektspezifische Ziele und binden sich eigenverantwortlich mit ihrer Aktivität als Maßnahme in den Zieleprozess ein. Bei Bedarf werden sie von den Arbeitskreisen und der LVG unterstützt. In den Landkreisen und Kommunen werden - zugeschnitten auf den regionalen Handlungsbedarf - eigene Zielsetzungen im Rahmen der Landesgesundheitsziele verfolgt. In diesem Kontext entstehen auch regionale Gesundheitskonferenzen und Gesundheitsnetzwerke, in denen sich Institutionen und interessierte Bürger zum gemeinsamen Gesundheitshandeln zusammenfinden. Ressortübergreifende Arbeitsansätze in Gesundheitsfragen setzen sich zunehmend durch. Hierbei sind die Bereiche Landwirtschaft, Umwelt, Bildung, Tourismus, Städtebau und Sicherheit Vorreiter. In Abstimmung und Kooperation mit dem Ministerium für Arbeit und Soziales und den Arbeitskreisen initiiert die Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt e.V. (LVG) Aktionen und Veranstaltungen für Endverbraucherinnen und Endverbraucher sowie für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die die Zielerreichung fördern sollen. Sie ergänzen die Basisarbeit der Arbeitskreise und Modellprojekte auf Landesebene. Umsetzung des Gesundheitszieles „Entwicklung eines gesunden Bewegungsverhaltens und Verbesserung von Bewegungsangeboten für die Bevölkerung“ Um das o. g. Ziel zu erreichen verfolgt der Arbeitskreis folgende Strategien und Aktivitäten:
  • Gewinnung von Partnern außerhalb des traditionellen Bewegungsbereiches zur Mitarbeit im Arbeitskreis und Entwicklung von Bewegungsalternativen
  • Erfassung und Dokumentation bestehender und geplanter Bewegungsvorhaben in Sachsen-Anhalt (Datenbank)
  • Planung und Durchführung von ModellprojektenPlanung und Durchführung von Workshops, Aktionstagen und Fachtagungen
  • Strukturierung des Arbeitskreises in einzelne Subgruppen/Fachgremien bspw. bezüglich der Modellprojekte oder Zielgruppen
Im Jahr 2003 gab es in drei Vereinen 11 Angebote mit dem Qualitätssiegel „Sport pro Gesundheit“ (QSPG). Durch eine Ausbildungsoffensive für Übungsleiter Prävention des LSB und initiierte Projekte mit zielgerichteter Förderung gelang es, per 31.12.2007 in 132 Vereinen 448 Angebote QSPG flächendeckend in allen KSB/SSB aufzubauen und vorzuhalten. Im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten (Sportstättenbelegung begrenzt) wurden sowohl Dauerangebote im Gesundheitssport für Vereinsmitglieder als auch Präventionskurse für Nichtmitglieder durchgeführt, die von den Krankenkassen auf vertraglicher Grundlage finanziert werden. Legt man für einen Präventionskurs durchschnittlich 15 Teilnehmer zugrunde, werden derzeit im Vergleich zu 2003 durch die Gesundheitssportangebote der Vereine, die quartalsweise durchgeführt werden, ca. 26.880 Bürgerinnen und Bürger unseres Bundeslandes zusätzlich bewegt. Von 2005 bis 2007 wurde die Qualifizierung der Landesfachverbände und Kreis- und Stadtsportbünde zur Umsetzung des Gesundheitssports in Sachsen-Anhalt und die Befähigung zum Qualitätsmanagement für Kreis- und Stadtsportbünde zur Begleitung von Vereinsentwicklung durch Gesundheitssport vorangetrieben. Der Kreissportbund Quedlinburg entwickelte und erprobte Instrumente für Qualitätsentwicklung und -sicherung im Gesundheitssport für Kreis- und Stadtsportbünde. Im Dezember 2007 fand in Wernigerode der erste kreisoffene Qualitätszirkel des Kreissportbundes Harz statt.

Beispiel eines Modellprojektes: Wir bringen uns in Schwung

Projektträger: Landeshauptstadt Magdeburg, Betriebsärztlicher Dienst, Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Sicherheit
Kooperationspartner: AOK Sachsen-Anhalt, Fitness-Class GbR Magdeburg, Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), Kieser Training AG, Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt, Squash- und Fitness Center, Unfallkasse Sachsen-Anhalt
Einleitung und Zielstellung
In der Stadtverwaltung Magdeburg werden überwiegend sitzende Tätigkeiten ausgeführt, der Altersdurchschnitt liegt zwischen 40 und 50 Jahren. Die Mehrzahl der Beschäftigten bewegt sich im Arbeits- und Lebensalltag nicht ausreichend. Dafür sprechen u. a. die Erkrankungen des Muskel und Skelettsystems (ca. 395 AU-Fälle pro Jahr) und des Bindegewebes. Im Rahmen der betriebsärztlichen Tätigkeit wurde festgestellt, dass jeder dritte Mitarbeiter über Beschwerden im Bereich des Stütz- und Bewegungsapparates klagt. Über die Hälfte der Beschäftigten leidet an Übergewicht. Dem sollte das Projekt etwas entgegensetzen. Das Vorhaben richtete sich an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Stadtverwaltung Magdeburg. Zentrale Zielstellung war, die Beschäftigten in mehr Bewegung zu bringen, u. a. sollte der Aufbau von Bewegungsangeboten innerhalb bzw. im Anschluss an die Arbeitstätigkeiten gefördert werden. Mit spezifischen Maßnahmen (z.B. indikationsbezogene Präventionskurse) und unspezifischen Maßnahmen (z.B. Gesundheitstage) wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu mehr Bewegung animiert.
Ergebnisse
Im Projektzeitraum fanden 2 Gesundheitstage statt, an denen 150 bzw. 60 Beschäftigte zum Thema „Wir bringen uns in Schwung“ teilnahmen. Das sind 6 % der Belegschaft. Es wurden 43 Bewegungskurse durchgeführt, die von 710 Beschäftigten genutzt wurden, davon 230 im Jahr 2005 und 480 im Jahr 2006. Das Ziel, 1.000 Beschäftigte zur Nutzung regelmäßiger Bewegungsangebote zu animieren, wurde zu 71 % erreicht. Die Angebote wurden zu 95 % von Frauen genutzt.
Nachhaltigkeit und Verstetigung
Von den 10 verschiedenen Bewegungsangeboten haben sich vier Präventionskurse als ständiges Angebot heraus kristallisiert, sie werden in der Stadtverwaltung weiter vorgehalten und von den Beschäftigten wahrgenommen. Außerdem wurde eine Betriebssportgruppe „Pausengymnastik“ gegründet. Für Nachnutzer des Projektes wurden Handlungsempfehlungen abgeleitet.


Qualitätssicherung

Der sachsen-anhaltischen Gesundheitszieleprozess orientiert sich an einer partizipativen Qualitätssicherung und –entwicklung. Die Mitarbeitenden werden befähigt ihre Arbeit beständig zu reflektieren indem sie Informationen systematisch erheben und auswerten. Soweit möglich werden alle wesentlichen Aspekte der Qualitätsentwicklung gemeinsam von allen Agierenden entschieden. Konkrete Maßnahmen sind u.a. die Protokollierung aller Arbeitskreissitzungen, die kriteriengeleitete Entwicklung und Umsetzung von Modellprojekten, die systematische Prozessbetrachtung und -bewertung ggf. Modifikation sowie die Operationalisierung der Ziele und Teilziele. Darüber hinaus werden alle Modellprojekte in Struktur- und Ergebnispostern sowie in projektberichten nach einheitlichen Eckpunkten dokumentiert. Der Zielerreichungsgrad stellt soweit Möglich auf Daten der Gesundheitsberichterstattung des Landes ab.



Evaluation / Quantifizierung

  • Betrachtung der Ergebnisse der Arbeitsgruppen, Zielabgleich und notfalls Neuausrichtung (jährlich)
  • Anpassung der Strukturen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsebenen bei Teilzielsetzungen (jährlich)
  • Überprüfung der Strategien, Vorgehensweisen und Methoden zur Erreichung des Ziels in Vorbereitung der Landesgesundheitskonferenzen (alle 3 Jahre)
  • Konsequente Operationalisierung der Ziele und der Modellprojekte (laufend)
  • Gesundheitsberichterstattung des Landes (nimmt Bezug auf die Zielsetzungen)
  • Erarbeitung von Fokus- und Kurzberichten zu den Gesundheitszielen
  • Dokumentation der Prozessaktivitäten (laufend)

Publikationen / Öffentlichkeitsarbeit

Begleitet wird der gesamte Gesundheitszieleprozess von einer intensiven Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Mit einer Kommunikationskampagne unter dem Titel „Vorsorgen“ wurden die Gesundheitsziele im Jahr 2000 bekannt gemacht. In Kooperation mit dem Pressereferat des Ministeriums für Arbeit und Soziales werden laufend Kommunikationsanlässe für den Zieleprozess abgestimmt und vorbereitet. Für die zentrale Medieninformation zeichnet das Pressereferat verantwortlich, die Arbeitskreise informieren ebenso wie die Modellprojekte die Medien eigenständig über fachliche Entwicklungen. Die LVG unterstützt die Herausgabe von Presseinformationen bei Bedarf und hat ihre gesamte Außenkommunikation auf den Zieleprozess abgestimmt so dass eine weitestgehende Bezugnahme auf die Gesundheitsziele auch bei ihren eigenen Initiativen gewährleistet ist. Die Medien der beteiligten Institutionen greifen die Gesundheitsziele regelmäßig auf und informieren ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ihre Mitglieder über aktuelle Entwicklungen. Eine Internetpräsentation und ein Newsletter, der einmal im Quartal herausgegeben wird, berichten vom Prozess, erreichten Meilensteinen und erzielten Ergebnissen. Ergänzt wird die Öffentlichkeitsarbeit durch Berichte der Arbeitskreise, Dokumentationen und Poster der Modellprojekte. Für den gesamten Bereich werden jährliche Teilziele abgesteckt, qualifiziert und quantifiziert.
Kurzberichte:
  • Entwicklung eines gesunden Bewegungsverhaltens und Verbesserung von Bewegungsangeboten für die Bevölkerung (2008)
  • Förderung eines gesunden Ernährungsverhaltens und gesunder Ernährungsangebote für die Bevölkerung (2008)
  • Erreichen eines altersgerechten Impfstatus bei über 90% der Bevölkerung (2008)
  • Senkung der alkoholbedingten Gesundheitsschäden in der Bevölkerung auf Bundesdurchschnitt (2008)
  • Verbesserung der Zahngesundheit der Bürger auf Bundesdurchschnitt (2008) - www.sachsen-anhalt.de
Fokusberichte:
  • Alkoholbedingte Krankheitslast und Sterblichkeit in Sachsen-Anhalt (2008) -  www.gbe.sachsen-anhalt.de
  • Gesundheitsziele und Gesundheitsförderung in Sachsen-Anhalt (2008) - www.sachsen-anhalt.de
  • Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Sachsen-Anhalt (2010) - www.sachsen-anhalt.de
  • Kurzbericht zum Gesundheitsziel“ Verbesserung der Zahngesundheit bei der Bevölkerung auf Bundesdurchschnitt (2008) - www.gbe.sachsen-anhalt.de
  • Kurzbericht zum Gesundheitsziel „Senkung der alkoholbedingten Gesundheitsschäden in der Bevölkerung auf Bundesdurchschnitt (2008) www.gbe.sachsen-anhalt.de
  • Kurzbericht zum Gesundheitsziel „Erreichen eines altersgerechten Impfstatus bei über 90% der Bevölkerung (2008) - www.gbe.sachsen-anhalt.de
  • Kurzbericht zum Gesundheitsziel „Senkung des Anteils von Rauchern in der Bevölkerung (2008) - www.gbe.sachsen-anhalt.de
  • Kurzbericht zu den Gesundheitszielen „Entwicklung eines gesunden Bewegungsverhaltens und Verbesserung von Bewegungsangeboten für die Bevölkerung“ und „Förderung eines gesunden Ernährungsverhaltens und gesunder Ernährungsangebote für die Bevölkerung“ (2008) - www.gbe.sachsen-anhalt.de
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