niedersachsen

Niedersachsen



Zielthemen und prioritäre Handlungsfelder

  • „Verminderung von Kinderunfällen“ unter Leitung des MS,
     
  • „Steigerung der Inanspruchnahme der Vorsorgeuntersuchungen (U8, U9, J1)" unter Leitung   des NLGA
     
  • „Reduktion des Tabakkonsums bei Kindern und Jugendlichen " unter Leitung der LVG.


Finanzierung und Trägerschaft

Weder für Zielbildung noch für Umsetzung hat es eine Finanzierung gegeben; ausschließlich aus „Bordmitteln“


Historie

1998/1999 wurden in Niedersachsen Gesundheitsziele - z. B. von Beirat und Vorstand der Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen e.V. (LVG) - thematisiert. Erste Planungen folgten ab dem Jahr 2000 in enger Kooperation der LVG, des Nds. Landesgesundheitsamtes, des Sozialministeriums (im Folgenden LVG, NLGA und MS genannt) und der Medizinische Hochschule Hannover (MHH, Abt. Epidemiologie und Sozialmedizin). Verschiedene Zielauswahlstrategien wurden diskutiert, u. a. die wissenschaftliche Ableitung von Gesundheitszielen, die allerdings bisher keine nachhaltigen Erfolge zeigen konnte. Es konnte Einigkeit erzielt werden, dass eine konsensuelle Zielformulierung auf Landesebene unter Einbezug aller maßgeblichen Akteure bevorzugt werden sollte und die vorhandenen Daten der Gesundheitsberichterstattung als Formulierungsgrundlage genutzt werden sollten.


Struktur 

Am 29.10.2001 hat in Hannover eine Auftaktveranstaltung für eine erste Erörterung der Zielbereiche für Niedersachsen mit allen am Gesundheitswesen beteiligten Verbänden und Institutionen (unter anderem ärztliche Selbstverwaltung, Wohlfahrtspflege, Kommunale Spitzenverbände, Kranken- und Sozialversicherungsträger, Krankenhausgesellschaft) stattgefunden. Hier wurden die wesentlichen Rahmenbedingungen für die Zielformulierung vorgestellt:
  • Konsensuelle Zielfindung unter Einbezug aller wesentlichen Akteure auf Landesebene sowie der kommunalen Spitzenverbände
  • Zielformulierung anhand vorhandener Daten der Gesundheitsberichtserstattung auf Landesebene unter Einbezug anderer niedersachsenrelevanter Daten
  • Kein Aufbau zusätzlicher Strukturen zur Umsetzung der Gesundheitsziele, sondern Nutzung vorhandener Strukturen und Übernahme von Zielpatenschaften
Nach Auswertung der eingegangenen Themenvorschläge wurde im April 2002 der Fokus für erste exemplarische Ziele auf den Bereich „Kinder und Jugendliche“ gelegt worden, nicht zuletzt auch unter dem Gesichtspunkt, dass im März 2002 von der Arbeitsgruppe Gesundheitsberichterstattung beim NLGA der „Bericht zur gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen in Niedersachsen“ herausgegeben worden war, auf dessen Eckdaten teilweise aufgebaut werden konnte. An wenigen ausgewählten Fragestellungen sollte das Arbeiten mit Zielen zunächst modellhaft vollzogen werden. Als wichtigste Kriterien galten:
  • Schweregrad und weite Verbreitung
  • Volkswirtschaftliche Relevanz
  • Verbesserungspotential / Intervenierbarkeit gegeben
  • Möglichkeit der Verbesserung im Rahmen bestehender Strukturen
  • Herstellung von mehr gesundheitlicher Chancengleichheit
  • Möglichkeit der Evaluation
  • Kleine und überschaubare Ziele, bei denen sich Akteure und Ergebnisse klar benennen lassen
Die Bearbeitung dieser 3 Ziele erfolgte anhand eines formalisierten Musters, das von dem ursprünglich von Sachsen-Anhalt entwickelten Schema abgeleitet wurde. Für alle drei Themen wurden Problemrelevanz, Ursachen/Risiken, Ziele, Interventionsansätze/Maßnahmen, Datenlage/Messgrößen/Evaluation und wichtige Kooperationspartner skizziert.


Zielgruppen

Kinder/Jugendliche bzw. Multiplikatoren (z. B. Hebammen beim Ziel „Verminderung von Kinderunfällen“)


Grundprinzipien des Zielprozesse

In Niedersachsen wurde für diese exemplarischen Ziele keine feste Organisationsstruktur geschaffen. Der Zieleprozess wurde im Wesentlichen von MS, LVG und NLGA gemeinsam verfolgt und betrieben, wobei aber die LVG eine vorrangige Schnittstellen-Funktion einnahm, weil dort alle wesentlichen Akteure im Gesundheitswesen vertreten sind und die wichtige Aufgabe deren Vernetzung am besten zu leisten war.


Umsetzung der Zielmaßnahmen

Die zweite Gesundheitsziele-Konferenz am 13.06.2003 stellte den Abschluss der „ersten Runde“ von Zielformulierungen wie auch den Auftakt für die Umsetzungsphase dar. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erklärten im Rahmen einer Entschließung ihre Bereitschaft, diese Ziele im Rahmen ihres Verantwortungsbereiches zu unterstützen. Zugleich wurden alle zuständigen Akteure, Multiplikatoren und Kooperationspartner aufgerufen, die Ziele umzusetzen. Auf einer Tagung am 10.09.2004 wurde im Konsens als 4. Gesundheitsziel die „Prävention von Übergewicht und Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen“ definiert, nicht zuletzt wegen der allgemein anerkannten gesundheitspolitischen Prioritätensetzung auf allen Ebenen bis hin zur WHO. Zudem bestand Nähe zur Arbeit der AG 7 im Rahmen von gesundheitsziele.de („Gesund Aufwachsen: Ernährung, Bewegung, Stressbewältigung“). Dafür wurde beim NLGA eine Projektgruppe eingerichtet. Als wesentliche und vor allem innovative Maßnahme wurde die Einrichtung einer Clearingstelle/Plattform angeregt, die angesichts der zahlreichen bestehenden Projekte im Lande mehr Erfolg versprach als z. B. zusätzliche Kampagnen. Inzwischen hat die Arbeit an Gesundheitszielen auch so weit öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt, dass Verbände von sich aus neue Gesundheitsziele für Niedersachsen vorschlagen (z. B. seelische Gesundheit im frühen Kindesalter), denen jedoch bisher nicht nachgegangen werden konnte. Denn in der Arbeit an den ersten Gesundheitszielen hat sich gezeigt, dass auf frühe konkrete Ausarbeitung der Maßzahlen zur Evaluation nicht verzichtet werden darf, weil sonst keine Beschreibung möglich ist. Insofern haben sich aus der Erfahrung mit den ersten Zielen die Eingangskriterien für evtl. folgende Zielthemen verschärft.
Mögliche Teilziele für die einzelnen Themenbereiche wurden zunächst alle benannt, analysiert und beschrieben. In einem weiteren Arbeitsgang erfolgte die Eingrenzung auf solche Teilziele, die ohne Inanspruchnahme von Haushaltsmitteln des Landes (ziele a und b) bzw. mit Einwerbung von Drittmitteln (Ziel c) auf den Weg gebracht werden könnten. Für die konkrete Umsetzung wurden dann nur solche Teilziele verfolgt, für die geeignete Maßnahmen ohne zusätzliche Haushaltsmittel oder mit überschaubarem Einsatz an Mitteln bzw. mit Einforderung von Drittmitteln auf den Weg gebracht werden können:
  • Einbeziehung des Themas Unfallprävention in das Fortbildungsprogramm für Hebammen; Erstellung eines Foliensatzes (Multiplikatorenmaterial) für den Hebammen-Unterricht (Herr Dr. Böhmann, Kinderklinik Delmenhorst)
  • Konzeption für ein Einladungs- und Informationsmodell zur Kinderfrüherkennungsuntersuchung; Musterbriefe auch in muttersprachlicher Fassung über die Homepage des NLGA für einladenden Krankenversicherungsträger abrufbar
  • Vernetzung vorhandener Programme zur Reduktion von Tabakkonsum bei Kindern und Jugendlichen („Klasse 2000“, „Be smart - Don`t start“, „Rauchfreie Schulen“); Nichtraucherkampagne mit Unterstützung der gesetzlichen Krankenversicherungen und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit dem Ziel, den Einstieg (Erstkonsum) zu vermeiden; Ausbau von vorhandenen primärpräventiven Programmen sowie Anpassung von Ausstiegshilfen und -programmen an die Bedürfnisse von Jugendlichen.

Qualitätssicherung 

Maßnahmen waren vorgesehen, erwiesen sich aber als teilweise schlecht umsetzbar.
Erfahrung: Maßnahmen müssen bei folgenden Gesundheitszielen von Anfang an mitentwickelt werden.


Evaluation / Quantifizierung

Maßnahmen waren vorgesehen, erwiesen sich aber als teilweise schlecht umsetzbar.
Erfahrung: Maßnahmen müssen bei folgenden Gesundheitszielen von Anfang an mitentwickelt werden.


Publikationen / Öffentlichkeitsarbeit

Zu den Gesundheitszielen der "Steigerung der Inanspruchnahme von Kinderfrüherkennungsuntersuchungen" und der "Senkung von Adipositas und Übergewicht bei Kindern" sind die aktuellen Daten und Zeitreihen jetzt für Niedersachsen im Internet über Indikatorentabellen der GBE-Basisberichterstattung zugänglich gemacht worden (siehe www.nlga.niedersachsen.de .

Kapitel für Niedersachsen unter II. Gesundheitsziele und prioritäre Handlungsfelder in den Bundesländern in „Gesundheitsziele im Föderalismus“, GVG Nr. 55, Nanos-Verlag 2007.

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