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Bremen


Unter der Prämisse „Keine Gesundheitsziele ohne Gesundheitskonferenz(en)“ hat Bremen in den vergangenen Jahren folgenden Weg beschritten:

Statt einer umfassenden Landesgesundheitskonferenz erschien und erscheint es uns sinnvoller, über spezifische Themen Kooperationsbezüge herzustellen, die im Sinne themenbezogener Gesundheitskonferenzen eine langfristige, zielgerichtete Zusammenarbeit mit den verschiedenen Akteuren und Institutionen im Land Bremen ermöglichen.

Dieses Vorgehen erscheint uns aus verschiedenen Gründen adäquat:
  1. Für die Umsetzung von Gesundheitszielen bedarf es in der Regel des Engagements der entsprechenden Akteure. Hier sind gute Kooperationen und die Selbstverpflichtung der Akteure gefragt. Solche Kooperationen mit zielgerichtetem Charakter sind – wie die nachfolgenden Beispiele zeigen - auch ohne definierte Gesundheitsziele machbar und erfolgreich.
  2. Die im Stadtstaat Bremen tätigen Gesundheitsakteure arbeiten im Rahmen der exemplarisch dargestellten Kooperationen bereits intensiv zusammen. Die Schaffung eines neuen Dachgremiums ist aus unserer Sicht derzeit nicht erforderlich, sondern würde eher einen künstlichen Überbau darstellen.
  3. Für die Definition quantifizierbarer Ziele müsste zudem belegt werden, ab wann Ziele „echte“ Ziele sind, also nicht auch ohne jedwede Maßnahmen in einem definiertem Zeitrahmen erreicht würden. Dies erscheint jedoch methodisch nicht unproblematisch und sehr aufwändig.
  4. Zudem sind die Maßnahmen zur Zielerreichung häufig (noch) nicht evidenzbasiert.
Anhand von Beispielen werden prioritäre Handlungsfelder dargestellt:


Prioritäre Handlungsfelder

1. ‚Hand aufs Herz’
Förderung der sozialen Kompetenz von (noch in Entwicklung befindlichen) Schülern anhand von strukturierten und regelmäßigen Wettbewerben zur Ersten Hilfe

2. Krebserkrankungen: erfassen, auswerten und früh erkennen
Das epidemiologische Krebsregister des Landes Bremen erfasst Krebsneuerkrankungen und krebsbedingte Todesfälle. Neben dem Ziel, auch weiterhin eine vollzählige Erfassung zu erreichen und die Vollständigkeit der Meldungen zu verbessern, soll in Bremen die klinische Krebsregistrierung eingeführt werden.

3. WegWeisers für Frauen mit Brustkrebs
Brustkrebs/ Mortalität vermindern, Lebensqualität erhöhen Wissen der Nichtbetroffenen und Patientinnen ist verbessert; Einbindung der Patientinnen in die Therapieentscheidung/ Patientenrechte; Psychosoziale und psychoonkologische Betreuung ist verbessert.


Rechtlicher Status der Zielprozesse

Gesetz über das Krebsregister der Freien Hansestadt Bremen; weiter rechtliche Regelungen sind geplant

 

Finanzierung und Trägerschaft

  • Unfallkasse Bremen
  • Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales
  • Senatorin für Bildung und Wissenschaft
  • Landeshaushalt
  • Feuerwehr
  • Eventagentur
  • AOK
  • Ausrüstungsanbieter Erste-Hilfe
  • Hilfsorganisationen
  • Kassenärztliche Vereinigung Bremen
  • Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS)
  • Tumorzentrum der Bremer Krebsgesellschaft e.V.
  • Bremer Krebsgesellschaft
  • Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau

Historie

1. ‚Hand aufs Herz’
Aufgrund mangelnde Hilfsbereitschaft und Zivilcourage in der Bevölkerung, unzureichende Kompetenz im Hinblick auf Laienhilfe, Schlechten Ergebnisse bei Überlebensraten nach Herz-Kreislaufstillstand wurde ein konkreter fraktionsübergreifender Antrag aus der Bremischen Bürgerschaft (Landtag) von 2004 gestellt.

2. Krebserkrankungen: erfassen, auswerten und früh erkennen
Das Bremer Krebsregister besteht seit 1998 und hat seit 2001 eine vollzählige Erfassung von über 95% der in Bremen zu erwartenden Krebserkrankungen erreicht. Durch seine kleinräumigen Analysen in Bremen ist das Register in der Lage, Aussagen über vermutete Krebshäufungen in Bremen zu geben. Darüber hin aus konnte Bremen als Modellregion des Mammographie-Screenings frühzeitig dieses Vorhaben umsetzen und den Abgleich mit dem Bremer Krebsregister erproben.


Struktur

1. ‚Hand aufs Herz’ Seit 2006 alljährliche gemeinsame Aktion in o.g. Trägerschaft, gemeinsamer Lenkungsausschuss und gleichzeitig Organisationseinheit, Medienpartnerschaften

2. Krebserkrankungen: erfassen, auswerten und früh erkennen Die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales führt die Aufsicht über das epidemiologische Krebsregister. Die Pilotstudie erfolgt in Kooperation mit dem Tumorzentrum der Bremer Krebsgesellschaft e.V. und dem Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin. Die Auswertung der Pilotstudie wird mit dem wissenschaftlicher Beirat des Bremer Krebsregisters diskutiert und weitere Schritte erörtert.

3. WegWeisers für Frauen mit Brustkrebs
Arbeitsgruppentreffen zwischen der Senatorin für Arbeit, Frauen Gesundheit, Jugend und Soziales in Kooperation mit der Bremer Krebsgesellschaft und der Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau.


Zielgruppen

1. ‚Hand aufs Herz’
  • Zielgruppe 1: Schüler /Schülerinnen als Laien (Klassen 5-8)
  • Zielgruppe 2: Schulsanitätsdienste Klassen (5-10)
2. Krebserkrankungen: erfassen, auswerten und früh erkennen
  • Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung,
  • Bürgerinnen und Bürger des Landes Bremen
  • Patientinnen und Patienten, die in Bremen behandelt werden.
3. WegWeisers für Frauen mit Brustkrebs
  • Frauen die an Brustkrebs erkrankt sind und deren Angehörige

Grundprinzipien der Zielmaßnahmen

1. ‚Hand aufs Herz’
Erhoffte Langzeiteffekte: 
  • Erhöhung der sozialen Kompetenz
  • Fähigkeit zur qualifizierten Ersten Hilfe von Laien im präklinischen Umfeld
  • Flächendeckende Einführung von Schulsanitätsdiensten
  • Förderung der Kooperation zwischen Hilfsorganisationen
  • Bewegungsförderung
  • Rückgang der Sterblichkeit bei präklinischem Herz-Kreislaufstillstand Umsetzung der Zielmaßnahmen

Umsetzung der Zielmaßnahmen

1."Hand aufs Herz"
  • Bewerbung von Schulen zur TN am Wettbewerb nach Aufruf durch Unfallkasse und Behörden
  • Kostenloses Training durch eine Hilfsorganisation zur Vorbereitung, z.T. mit Medienbegleitung
  • TN am Wettbewerb mit Medienbegleitung
  • Rahmenprogramm mit attraktiven Angeboten
  • Preisverleihung durch VIP (Peer Groups)
2. Krebserkrankungen: erfassen, auswerten, früh erkennen
  • Verbesserung der rechtlichen Grundlagen (z.B. Einführung der Pflicht für alle Ärzte, an das Bremer Krebsregister zu melden – nachdem durch eine Befragung ermittelt wurde, das die Mehrheit der Ärzte dies wünscht).
  • Pilotstudie zur Einrichtung eines klinischen Krebsregisters in Bremen am Beispiel des Multiplen Myeloms. Pilotprojekt zum Multiplen Myelom. Anhand zunächst einer Entität soll erprobt werden, wie die klinische Krebsregistrierung in die bestehenden Strukturen in Bremen eingebettet werden kann.
3. Wegweiser für Frauen mit Brustkrebs
  • Ausführliche Literatur und Internetrecherche zu allen Versorgungsangeboten

Qualitätssicherung

  • Monitoring der angewählten Webseite (indirekter Indikator)
  • Evaluation zukünftig vorgesehen
  • Für das Krebsregister gilt zunächst als Qualitätsparameter die mindestens 90%-ige Erfassung der zu erwartenden Krebsneuerkrankung
  • regelmäßig Maßzahlen zur Qualität und Validität berechnet (z.B. DCO-Anteil, HV-Anteil, PSU-Anteil)

Evaluation / Quantifizierung

  • Evaluation zukünftig vorgesehen
  • Beteiligung des wissenschaftlichen Beirats des Bremer Krebsregisters
  • wisschenschaftlich fundierter Pre-Test mit 15 Frauen die an Brustkrebs erkrankt sind, alle 2 jahre erfolgt eine Überarbeitung

Publikationen / ÖffentlichkeitsarbeitI

  • Deutsches Ärzteblatt 2010; 107(11); A 492-3
  • Jahresbericht des BKR - Inzidenz und Mortalität im Zeitraum 2000-2005 Schwerpunktthema: Soziale Ungleichheit in der Krebsinzidenz und -mortalität (Veröffentlicht Februar 2009)
  • Jahresbericht des BKR - Inzidenz und Mortalität im Zeitraum 1999-2004 mit Überlebenszeitanalysen (Veröffentlicht Januar 2008)
  • Jahresbericht des BKR - Inzidenz und Mortalität 2003 Schwerpunktthema: Gastrointestinale Tumoren 1999-2003 (Veröffentlicht Dezember 2006)
  • Jahresbericht des BKR - Inzidenz und Mortalität 2002 Schwerpunktthema: Brustkrebs und gynäkologische Tumoren 1999-2003 (Veröffentlicht 2005)
  • Kleinräumige Analyse zu Krebsneuerkrankungen im Land Bremen, Vergleich der Region um die Stahlwerke Bremen mit dem übrigen Bremischen Stadtgebiet, November 2009
  • Kleinräumige Analyse zu Krebsneuerkrankungen im Land Bremen, Juli 2007
  • Kleinräumige Analyse zu Krebsneuerkrankungen im Land Bremen, Vergleich der Region um die Stahlwerke Bremen mit dem übrigen Bremischen Stadtgebiet, März 2007
  • Brustkrebsregistrierung in Deutschland: Tumorstadienverteilung in der Zielgruppe für das Mammographie-Screening Deutsches, von Giersiepen, Klaus; Haartje, Ulf; Hentschel, Stefan; Katalinic, Alexander; Kieschke, Joachim Ärzteblatt 101, Ausgabe 30 vom 23.07.2004, Seite A-2117 / B-1769 / C-1701
  • Der Bremer Mortalitätsindex, von Giersiepen, Klaus; Brünings-Kuppe, Claudia; Lehmann, Carola Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, (2004) 47(5):451–456

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