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Berlin

 

Zielthemen und prioritäre Handlungsfelder

  • Kindergesundheit (Oberziel: „Gesundheitschancen für Kinder und Jugendliche erhöhen – Benachteiligung abbauen“); 2007 durch die Landesgesundheitskonferenz (LGK) Verabschiedung eines entsprechenden Zielsystems mit quantifizierten Teilzielen in den Handlungsfeldern:
  1. Bewegung,
  2. Ernährung und
  3. Sprachentwicklung.
Danach Weiterentwicklung im Rahmen des Gesundheitszieleprozesses.

  • Gesundheit im Alter (Oberziel: Selbständigkeit und Lebensqualität im Alter erhalten“); Im Rahmen des seit dem Jahr 2009 laufenden Diskussionsprozesses um Gesundheitsziele im Themenfeld "Altern und Gesundheit" verständigte sich die LGK im Juni 2011 auf folgende Ziele:
  1. Strategien und Maßnahmen der sozialraumorientierten Gesundheitsförderung und sozialen Teilhabe ausbauen,
  2. Maßnahmen der Bewegungsförderung ausbauen und ältere Menschen motivieren und fördern, sich  regelmäßig zu bewegen,
  3. Die gesellschaftliche Teilhabe psychisch kranker, älterer Menschen und ihrer Angehörigen fördern und adäquate Versorgungsstrukturen weiterentwickeln.
Ein von einer Arbeitsgruppe der LGK vorgelegtes Strategiepapier wird als Ausgangspunkt für die weitere Ausgestaltung des Zielprozesses mit einem Zeithorizont von 2011 bis 2016 genommen. Die Mitglieder wirken an Konkretisierung und Umsetzung der Strategien mit.


Rechtlicher Status

Laut Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst – GDG, § 3, Absatz 6, ...“unterhält das Land Berlin als ein besonderes Instrument der Planung, Koordinierung und Erarbeitung von Gesundheitszielen eine Landesgesundheitskonferenz, die mindestens einmal im Jahr stattfindet.“ (GDG 2006) Dabei handelt es sich um ein freiwilliges Engagement der Akteure auf Basis einer von den Mitgliedern der Landesgesundheitskonferenz eingegangenen Selbstverpflichtung zur Mitwirkung an der Umsetzung von Beschlüssen der LGK. Die LGK gibt der Regierung des Landes Berlin Empfehlungen für gesundheitspolitische Ziele.


Finanzierung und Trägerschaft

In der Landesgesundheitskonferenz sind derzeit 23 Mitglieder / Organisationen vertreten. Gemäß Geschäftsordnung obliegt der Vorsitz dem für Gesundheit zuständigen Mitglied des Berliner Senats. Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz finanziert seit Mitte 2008 eine „Fachstelle für Prävention und Gesundheitsförderung“ in freier Trägerschaft. Hauptaufgabe der Fachstelle ist die Wahrnehmung der unterschiedlichen mit der operativen Geschäftsführung der LGK verbundenen Aufgaben. Dazu gehört u.a. auch die Unterstützung und Begleitung des Gesundheitszieleprozesses. Insgesamt fließen in diesen Prozess jährlich rd. 127.000 €, die aus Landesmitteln bereitgestellt werden, plus - darüber hinaus - Stellenanteile aus der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz sowie aus den für Qualitätsentwicklung, (Gesundheits-)Planung und Koordinierung (QPK) auf Ebene der Berliner Bezirke in den Abteilungen Gesundheit zuständigen Organisationseinheiten. Außerdem erhält der Träger der Fachstelle Zuwendungen für den Regionalen Knoten des Kooperationsverbundes Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten (rd. 36.000,- € / Jahr) und für das Zentrum für Bewegungsförderung (rd. 39.000,- € / Jahr).
Link zu „Mitgliederliste“ und „Geschäftsordnung“ der LGK: www.berlin.de/landesgesundheitskonferenz


Historie

Die LGK als beschlussfassendes Gremium für Landesgesundheitsziele wurde 2004 auf Initiative der in Berlin für Gesundheit zuständigen Senatsverwaltung gegründet (siehe hierzu Beitrag zur GVG-Publikation „Gesundheitsziele im Föderalismus – Programme des Bundes und der Länder“, Köln 2007).


Struktur

Die Berliner Landesgesundheitskonferenz versteht sich als regelgebundene Form der Zusammenarbeit, mit der die örtlichen Akteure des Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesens, der Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Gesundheitswissenschaft und weiterer relevanter Bereiche sich auf gemeinschaftlich getragene gesundheitsbezogene Ziele verständigen. Laut Geschäftsordnung stellen die Mitglieder ihre Expertise und ihre Kompetenz gemeinsam in den Dienst dieser Ziele. Sie verpflichten sich, im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeit auf die Umsetzung von durch die LGK beschlossenen Empfehlungen hinzuwirken und hierfür alle ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu nutzen. Beschlussvorschläge werden der LGK von einem Steuerungsauschuss vorgelegt, der als Bindeglied zwischen den jährlich stattfindenden Gesundheitskonferenzen und dem aus den Beschlüssen jeweils abzuleitenden operativen Geschehen fungiert. Den Vorsitz hat der Staatssekretär / die Staatssekretärin des für Gesundheit zuständigen Mitglieds des Berliner Senats. Der Steuerungsausschuss erteilt konkrete Arbeitsaufträge an ggf. eingerichtete Arbeitsgruppen, kontrolliert deren Fortgang und legt gegenüber der LGK Rechenschaft ab über die Umsetzung des beschlossenen Arbeitsprogramms. Die von Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V. betriebene Fachstelle für Prävention und Gesundheitsförderung (siehe auch Angaben unter Finanzierung und Trägerschaft) zur fachlichen und koordinierenden Unterstützung der Landesgesundheitskonferenz stellt u.a. den regelmäßigen, der Vernetzung dienenden Informationstransfer zu den auf der Umsetzungsebene aktiven Fachleuten aus dem Bereich der Freien Träger und staatlichen Einrichtungen sicher (z.B. dem Regionalverbund Berlin des Gesunde-Städte-Netzwerks), organisiert die Einrichtung und Betreuung von Facharbeitsgruppen sowie von öffentlichkeitswirksamen Fachforen für interessierte Laien und Multiplikator/-innen und initiiert darüber hinaus partizipative Prozesse mit den Zielgruppen der angestrebten Gesundheitsziele.


Zielgruppen

im Bereich Kindergesundheit: Kinder von 0-6 Jahren und deren Bezugspersonen; besonderer Fokus auf Kinder/Familien mit sozialen Problemlagen und Kinder mit Migrationshintergrund

im Bereich Alter und Gesundheit: Von sozialer Isolation bedrohte ältere Menschen ab Eintritt in die Phase der Nicht-Mehr-Erwerbstätigkeit; besonderer Fokus auf Menschen aus einkommensschwachen und bildungsfernen Schichten und/oder mit Migrationsbiografie mit hohen Zugangsbarrieren zu gesundheitsförderlichen, sozialintegrativen Angeboten; ältere Männer.

Grundsätzlich: Wegen Heterogenität „des Alters“ angemessene Differenzierung nach Altersgruppen, Berücksichtigung von Sozialstatus, kulturellem Hintergrund und Genderaspekten


Grundprinzipien der Zielprozesse

  • Relevanz (Ableitung der Ziele aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, der Gesundheits- und Sozialberichterstattung, aber auch aus Bedarfseinschätzungen durch „Betroffene“ aus den Zielgruppen und durch Praktiker/innen vor Ort),
  • Realistische Beurteilung der Machbarkeit (einschließlich Betrachtung ökonomischer und politischer Rahmenbedingungen und zur Verfügung stehender personeller Ressourcen, Kooperationsmöglichkeiten) und Überprüfbarkeit (u.a. Datenlage),
  • Beachtung der Anschlussfähigkeit an nationale und - in Berlin – bezirkliche Gesundheitsziele,
  • Setzen von Prioritäten (nicht alles, was wünschenswert wäre, auf einmal bearbeiten und nicht unbedingt immer das Schwierigste zuerst), 
  • Festlegung realistischer Zeithorizonte (auch zur Vermeidung absehbarer Misserfolge),
  • Gestaltung des Arbeitsprozesses in einer Weise, die möglichst vielen Partnern das Mittun erlaubt und die Motivation dazu aufrecht erhält,
  • Frühestmögliche Einbindung derjenigen, die zur Umsetzung der Ziele gewonnen werden sollen und auch – wo möglich – der Betroffenen, 
  • Übernehmen, was andernorts schon Erfolg hatte und übertragbar erscheint,
  • Monitoring.

Umsetzung der Zielmaßnahmen

Konkret gibt es sowohl als Beitrag zur Erreichung der Kindergesundheitsziele (für Kinder im Alter von 0-6 Jahren)  als auch in den einzelnen Handlungsfeldern des Zielbereichs ‚Gesundheit im Alter’ in Berlin eine Vielzahl von Maßnahmen, die an dieser Stelle nur beispielhaft aufgelistet werden können. Besonders hervorzuheben ist, dass nicht nur auf der Landesebene, sondern in nahezu allen Berliner Bezirken anschlussfähige Ziele in den Bereichen Kindergesundheit und Gesundheit im Alter beschlossen (z.B. in bezirklichen Gesundheitskonferenzen und / oder durch das Bezirksparlament) und mit entsprechenden Maßnahmen unterlegt worden sind. An der Umsetzung sind zahlreiche Akteure mit ihren jeweils spezifischen Kompetenzen beteiligt (Beispiele sind: Fitness für Kids, BLiQ – Bewegtes Leben im Quartier, KiTas bewegen, Netzwerke rund um die Geburt, Stadtteilmütter-Projekte, Programm Gute gesunde Schule und KiTa, Aktionsraum plus, Spaziergangspaten für Senior/innen, Netzwerk Demenzfreundliches Krankenhaus, Aktivplätze für Senior/innen).


Qualitätssicherung

Grundsätzlich hat sich die LGK im Hinblick auf das notwendige regelmäßige Monitoring der bei der Verwirklichung der Ziele erreichten Fortschritte bzw. auftauchenden Hemmnisse auf die Methode der offenen Koordinierung verständigt. Sie wird im Zusammenhang mit den Gesundheitszielen als sinnvolle Möglichkeit gesehen, Transparenz herzustellen, die Aktivitäten der Akteure zu messen, die Anstrengungen miteinander zu vergleichen und aus den Erfahrungen gegenseitig zu lernen.
Folgende Kriterien gelten als Merkmale guter Qualität bei den zur Zielerreichung eingesetzten Maßnahmen/Projekten
  • Kriterien guter Praxis der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten (BZgA)
  • Langfristige Wirksamkeit plausibel
  • Relation Aufwand-Nutzen angemessen
  • Differenzierte Auswahl der Zielgruppe und möglichen Multiplikatoren entsprechend angestrebtem Gesundheitsziel
  • Berücksichtigung von Sozialstatus, Gender und Kultur bei Auswahl von geplanten Zugangswegen und Inhalten
  • Hohes Niveau regionaler Kooperation mit entsprechender Koordinierung
  • Klarheit darüber, woran und nach welchen Zeiträumen Erfolg im Hinblick auf Zielsetzung erkannt/gemessen werden soll

Evaluation / Quantifizierung

Konkret wurde für den Bereich der Kindergesundheitsziele ein Zielesystem entwickelt, das neben Prozess- und Strukturzielen auch quantifizierte Ergebnisziele mit Festlegung einer prozentualen Veränderung in einem definierten Zeitraum benennt. Wesentlich geht es dabei um die Reduzierung vorhandener Unterschiede zwischen Kindern der unteren im Vergleich zur mittleren und oberen sozialen Schicht sowie zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund in den definierten Handlungsschwerpunkten (s. Pkt. 1 dieser Tabelle).

Beispiel:
  • Zunahme des Anteils normalgewichtiger Kinder von 2005 – 2011 von 81% auf 83%.
  • Reduzierung des Unterschieds im Anteil normalgewichtiger Kinder zwischen Kindern deutscher und Kindern nicht-deutscher Herkunft (von jetzt 6 Prozentpunkten auf 3 Prozentpunkte).
  • Reduzierung des Unterschieds im Anteil normalgewichtiger Kinder zwischen Kindern der unteren und Kindern der mittleren und oberen sozialen Schicht auf die Hälfte (von jetzt 6 Prozentpunkten auf 3 Prozentpunkte).
Grundlage für diese Festlegungen bildete die Gesundheits- und Sozialberichterstattung des Landes Berlin, hier im Besonderen die jährlich erhobenen Daten der Einschulungsuntersuchungen.
Für den Bereich Gesundheit im Alter befindet sich die Konkretisierung und Operationalisierung von Gesundheitszielen erst am Anfang. Es ist allerdings schon jetzt zu konstatieren, dass eine dem Kinderbereich vergleichbare Datengrundlage hier derzeit nicht zur Verfügung steht. Voraussichtlich wird daher die Formulierung von Prozess- und Strukturzielen zunächst entsprechend im Vordergrund stehen.


Publikationen / Öffentlichkeitsarbeit

  • Landesgesundheitskonferenz-Dokumentationen (2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011), abrufbar im Internet
  • Internetauftritt der LGK auf www.berlin.de/landesgesundheitskonferenz
  • Newsletter der Fachstelle für Prävention und Gesundheitsförderung auf www.berlin.gesundheitfoerdern.de
  • Publikationen des für Gesundheitsberichterstattung, Berichtswesen, Gesundheits- und Sozialinformationssysteme zuständigen Referates bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz ( www.berlin.de/sen/guv/statistik/ ) Instrumente
  • Zielesystem für Kindergesundheitsziele
  • Regelmäßige Durchführung von Gesundheitsforen und Fachtagungen zu Themenschwerpunkten der Zielbereiche Kindergesundheit und Gesundheit im Alter (siehe hierzu www.berlin.de/landesgesundheitskonferenz).
  • Allgemeine Gesundheits- und Sozialberichte sowie Spezialberichte der Berliner Gesundheitsberichterstattung (siehe oben)

Kontakt


Dokumente

  • Zielesystem zur Entwicklung von Gesundheitszielen